Lebensmittelallergien und –unverträglichkeiten - Teil 2
Nicht alles Allergie, was juckt und kneift
Bauchschmerzen nach einem Sahnepudding oder Obstsalat, Hautausschlag nach der Party. Unerwünschte Reaktionen nach dem Essen müssen nicht zwangsläufig Lebensmittelallergien sein. Neben der allergischen Abwehrreaktion des Immunsystems gibt es eine Reihe von anderen Unverträglichkeiten auf Lebensmittel.
Begriffe schärfen!
Um dir den Unterschied der verschiedenen Erkrankungen zu erklären, müssen einige Begrifflichkeiten geklärt werden.
Jede krankhafte Reaktion nach dem Essen wird erst mal als Unverträglichkeit bezeichnet. Je nachdem, welche Vorgänge im Körper durch die Reaktion in Gang gesetzt werden, gibt es verschiedene Einteilungen:
- allergische Reaktionen über IgE-Antikörper vermittelt, wie die Kuhmilcheiweißallergie,
- allergische Kreuzallergien, zum Beispiel zwischen Birkenpollen und Äpfeln,
- Enzymdefekte wie bei der Laktose-Intoleranz,
pseudoallergische Reaktionen auf Konservierungs-, Farb- oder Aromastoffe (die Fachwelt spricht von „nicht IgE- vermittelter Hypersensivität“),
- toxische Reaktionen, zum Beispiel bei einer Pilzvergiftung,
- psychosomatische Reaktionen, zum Beispiel Abneigungen (Aversionen) gegen Fisch.
Eine Sonderstellung nimmt die Zöliakie oder Glutenunverträglichkeit ein. Dabei treten nach dem Essen von gluten-/weizenkleberhaltigen Getreideprodukten wie Weizen, Roggen, Dinkel, Grünkern, Hafer und Gerste starke Beschwerden im Darm auf.
Im Laufe des folgenden Textes werden die einzelnen Erkrankungen genauer erklärt.
Das Kreuz mit den Kreuzallergien
Als Pollenallergiker wirst du es wissen. Mehr als 50 Prozent der Pollenallergiker reagieren auch auf Lebensmittel allergisch. Was dahinter steckt, ist keine neue Allergie, sondern die Folge auf eine bereits vorhandene (Pollen-)Allergie. Warum der Körper auf einmal auf komplett unterschiedliche Auslöser allergisch reagiert, sind gleiche oder ähnliche Proteinbausteine z.B. in Birkenpollen Äpfeln.
SOS beim OAS
Die typischen Symptome, die dabei entstehen können sind Kribbeln und Juckreiz im Mundbereich, ein pelziges Gefühl auf der Zunge und das Anschwellen der Schleimhäute im Mund und Rachenraum. Die Kombination der Beschwerden wird als orales Allergiesyndrom (OAS) bezeichnet.
Sobald du als Pollenallergiker ein Kribbeln oder Jucken beim Essen im Mund bemerkst, solltest du nicht mehr weiter essen. Die am Anfang noch harmlosen Beschwerden können schlimmer werden und wie oben beschrieben kann der Gaumen und der Rachen anschwellen.
Zusätzlich, allerdings viel seltener, können auch Magen-Darm-Probleme, Juckreiz an der Haut oder asthmatische Beschwerden auftreten.
Leidest du unter einer Allergie auf früh blühende Bäume und Sträucher, wie Birke, Erle und Hasel heißt das nicht, dass du auch sofort auf die entsprechenden Lebensmittel allergisch reagierst. Dieses Phänomen tritt oft erst nach ein paar Jahren auf, speziell wenn die Pollenallergie, auch Heuschnupfen genannt, nicht behandelt wird. Eine mögliche Behandlung der Pollenallergie wird als Hyposensibilisierung bezeichnet und kann mit einer „Impfung" verglichen werden. Dem Patienten wird der Allergieauslöser anfangs in sehr kleinen und im Verlauf zunehmenden Konzentrationen gespritzt mit der Aussicht, dass der Körper den Auslöser wieder toleriert.
Es ist nicht notwendig per se alle möglichen Lebensmittel weg zu lassen. Je nachdem welche Pollen dir Beschwerden bereiten, kann es unterschiedliche Kreuzallergien geben. Diese Kreuzreaktionen werden auch als pollenassoziierte Lebensmittelallergien bezeichnet.
| Allergie auf | Häufig unverträgliche Lebensmittel |
| Baumpollen (Birke, Hasel, Erle) | Nüsse, rohes Stein- und Kernobst, Kiwi, roher Sellerie und rohe Karotten |
| Gräser- und Getreidepollen | wenig verarbeitete Getreideprodukte (Weizenflocken, Frischkornbrei aus Getreidekörnern), Soja, Erdnuss und Tomate |
| Kräuterpollen | Beifuss, Kamille, Pfefferminze, Basilikum, Estragon, Dill, Sellerie (auch gekocht) und Gewürze wie Kümmel, Anis, Fenchel und Paprika |
Kreuzallergie – und nun?
Wie oben bereits erwähnt, musst du als Pollenallergiker nicht immer und auch nicht auf jedes mögliche kreuzreagierende Lebensmittel verzichten.
Um herauszufinden, welche Auslöser bei dir eine Rolle spielen, solltest du einen Allergologen und eine Ernährungsfachkraft aufsuchen, die sich mit Allergien auskennen. Adressen von spezialisierten Ernährungsfachkräften findest du bei www.was-wir-essen.de im Beitrag „Ernährungsexperten in Ihrer Nähe".
Genau wie bei einer Lebensmittelallergie (vgl. Beitrag: „Was tun bei Lebensmittelallergien?“ werden bei einer Kreuzallergie verschiedene Testungen mit dir durchgeführt, allerdings ist hinterher entscheidend bei welchen Lebensmitteln du überhaupt Beschwerden bekommst, wenn du sie isst. Hierbei hilft dir die Ernährungsfachkraft. Viele kreuzreagierende Lebensmittel werden durch das Kochen “harmlos“. Speziell bei Äpfeln gibt es Sorten, die für Allergiker auch roh gut verträglich sein können.
Tipps für deine Kreuzallergie:
- Nicht alle Apfelsorten sind beim rohen Verzehr in Punkto Allergenität gleich. So kann es sein, dass du Sorten wie Cox Orange, Boskop, Gravensteiner besser verträgst, als Granny Smith oder Golden Delicius.
Die allergieauslösenden Bestandteile in Obst und Gemüse können beim Verarbeiten zerstört werden. Geschälte, zerkleinerte Äpfel oder frisch gepresster Apfelsaft werden in der Regel gut vertragen.
- Kochen macht dem Allergen im Obst endgültig den Garaus. Ob Apfelkompott, Kirschkuchen, Apfelsaft aus Flasche bzw. Getränkekarton oder Aprikosenmarmelade - darauf musst du normalerweise nicht verzichten.
Achtung: Immer nur in Absprache mit der Ernährungsfachkraft oder dem Arzt Neues ausprobieren.
Zuckersorten und ihre Wirkung - Wenn die Milch nicht verdaut wird
Um Milch- und Milchprodukte optimal zu verdauen, muss das enthaltene Kohlenhydrat, der Milchzucker, aufgespalten werden. Milchzucker bzw. Laktose ist ein Zweifachzucker. Er besteht aus je einem Baustein Glukose und Galaktose. Bei einer gesunden Verdauung zerlegt das Enzym Laktase im Darm den Milchzucker in seine Bestandteile, die dann über die Darmschleimhaut ins Blut aufgenommen werden.
Findet diese Verdauungsleistung nicht statt, weil kein oder nicht genügend Enzym vorhanden ist bzw. die Enzymaktivität vermindert ist, wandert der unverdaute Milchzucker in den Dickdarm und dient den Darmbakterien als Nahrung. Durch die dabei entstehenden Gase Kohlendioxid (CO2), Methan (CH4) und Wasserstoff (H2) und die Entstehung kurzkettiger Fettsäuren treten unangenehme Beschwerden auf:
- Die vermehrte Gasbildung ist verantwortlich für ein Völlegefühl, Krämpfe und Blähungen. Der Körper reagiert mit vermehrter Einleitung von Wasser in den Darm.
- Die Folge: wässriger Durchfall. Diese Durchfälle können 15-30 Minuten, einige Stunden oder am nächsten Morgen nach dem Genuss laktosehaltiger Lebensmittel auftreten.
Um heraus zu finden, ob die Verwertung von Laktose gestört ist, muss beim Arzt ein H2-Atemtest durchgeführt werden, bei dem der Wasserstoffgehalt der ausgeatmeten Luft gemessen wird. Erst dann kann die Diagnose Laktose-Intoleranz sicher gestellt werden.
Vollständiger Verzicht meist nicht nötig
Die Behandlung einer Laktose-Intoleranz besteht in einer Ernährungsumstellung auf eine laktosearme Kost. Wie viel Laktose vertragen wird, ist ganz unterschiedlich …
Laktose kommt nur in Lebensmitteln vor, die aus Milch hergestellt sind oder Milchbestandteile enthalten. Je nach dem wie stark die Laktaseaktivität eingeschränkt ist, muss man lediglich auf größere Mengen Trinkmilch, Joghurt und Sahne verzichten oder zusätzlich noch alle anderen Milchprodukte und Laktose in verarbeiteten Lebensmitteln meiden. In den meisten Fällen sind Hartkäsesorten und Sauermilchprodukte wie Joghurt nach einer Karenzphase in kleinen Mengen verträglich. In seltenen Fällen besteht die Laktose-Intoleranz seit der Geburt. In den wenigen Fällen muss sehr streng darauf geachtet werden, dass auch kleine Mengen Milchzucker in Tabletten oder Gewürzmischungen gemieden werden müssen.
Leckerer Ersatz:
- Laktosereduzierte Milch und Milchprodukte (Kakao, Milch, Quark, Käse, Pudding, Speiseeis, Joghurt)
- Kalziumangereicherte Drinks (Soja-, Hafer-, Reisdrink)
- Tofu, Süßlupinen
- Hafer- oder Sojacreme als Sahneersatz
Tipp:
Möchtest du einmal Milchprodukte ganz unbeschwert genießen, kannst du Laktase-Tabletten ausprobieren, diese werden entweder vor dem Essen eingenommen oder direkt zu dem Lebensmittel geben.
Wie bei der Milchallergie (vgl. Beitrag: "Was tun bei Lebensmittelallergien?") muss du auch bei der Laktose-Intoleranz darauf achten, genug Kalzium aufzunehmen. Üblicherweise solltest du entsprechend der aid-Ernährungspyramide: 3 Milchprodukte pro Tag essen. Also zum Beispiel: 1 Glas Milch, 1 Joghurt und 1 Scheibe Käse. Laktosereduzierte Milchprodukte, kalziumangereicherte Drinks, kalziumreiche Gemüsesorten und kalziumreiches Mineralwasser sorgen für eine ausreichende Kalziumversorgung.
Viele hilfreiche Tipps und erste Informationen findest du in den Ernährungsinfos Laktose-Intoleranz auf was-wir-essen.de.
Fruchtzucker – Wenn Obst und Obstsäfte Probleme bereiten
Bekommst du Blähungen, Krämpfen und Durchfällen, wenn du Obst gegessen hast, kann die Ursache eine Fruchtzucker-Unverträglichkeit (Fruktose-Malabsorption) sein. Der Begriff „Malabsorption“ beschreibt eine gestörte Aufnahme und einen gestörten Transport der Nährstoffe vom Darm in die Blut- und Lymphbahnen. Der in Lebensmitteln vorkommende Einfachzucker Fruktose wird dabei nicht oder nur begrenzt von den Zellen der Dünndarmschleimhaut aufgenommen. Die Fruktose gelangt in tiefere Darmabschnitte (Dickdarm), wo sie von Bakterien abgebaut wird. Bei diesem Abbau entstehen Darmgase, die sich als Blähungen, Darmgeräusche oder Schmerzen bemerkbar machen. Gleichzeitig wird vermehrt Wasser gebunden und die Darmaktivität verstärkt, so dass Durchfälle auftreten.
Sorbit kann die Probleme verstärken. Sorbit (E 420) ist ein Zuckeraustauschstoff (Zuckeralkohol), der von der Lebensmittelindustrie in zuckerfreien oder zuckerreduzierte Süßigkeiten (z.B. Kaugummi, Limonaden und Keksen eingesetzt wird.
Diagnostizieren kann der Arzt eine Fruktose-Malabsorption mit dem „H2-Atemtest", bei dem das entstehende Darmgas H2 (Wasserstoff) nach dem Verzehr einer definierten Fruktosemenge über die Atemluft gemessen wird.
Eine seltene, angeborene Form
In seltenen Fällen besteht diese Unverträglichkeit seit der Geburt, dann spricht man von einer hereditären Fruktose-Intoleranz (HFI). Hierbei handelt es sich um zwei völlig unterschiedliche Krankheitsbilder. Die HFI wird durch einen angeborenen Enzymdefekt (Mangel an Fruktose-1-Phosphat-Aldolase) ausgelöst. Die Fruktose wird in diesem Fall aus den Lebensmittel aufgenommen, kann jedoch im Körper nicht weiter verstoffwechselt werden. Sie reichert sich in der Leber an und führt zu Vergiftungserscheinungen. Deshalb ist bei der HFI, im Gegensatz zu der Fruktose-Malabsorption, eine lebenslange strenge fruktosefreie Kost nötig. Die Diagnose HFI wird in den ersten Lebensjahren gestellt und darf nicht mit der Fruktose-Malabsorption verwechselt werden.
Fruchtzucker reduzieren
Hat sich der Verdacht der Fruktose-Malabsoption bestätigt, muss die Aufnahme von Fruktose eingeschränkt und auf den Verzehr von Sorbit verzichtet werden. Wie viel Fruktose vertragen wird, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich.
Fruchtzucker (Fruktose) ist ein natürlicher Bestandteil vieler Lebensmittel. Obst und Obstsäfte enthalten Fruchtzucker in Form von Einfachzucker oder gebunden mit Glukose in Form des Zweifachzuckers Saccharose. Zudem wird Fruktose als Süßungsmittel in vielen Lebensmitteln (vor allem Diabetikerprodukten) eingesetzt.
Die gleichzeitige Aufnahme von Fruktose und Glukose (Traubenzucker) kann die Aufnahme von Fruktose verbessern. Aus diesem Grund ist der Verzehr von Haushaltszucker (Saccharose) in Maßen meist unproblematisch.
Gesund und lecker ohne Obst?
Die Ernährung bei einer Fruktose-Malabsorption ist individuell sehr unterschiedlich und vom Schweregrad der Unverträglichkeit abhängig. In einem ersten Schritt, nach der Diagnose, wird die Ernährungsumstellung erst einmal etwas strenger durchgeführt, damit die Beschwerden schnell zurückgehen. Hierfür muss auf Obst (außer z. B. Bananen, Litchi und Papaya) und Obstsäfte, einige Gemüsesorten (zum Beispiel Bohnen, Fenchel, Mais, Lauch, grüne Paprika), aromatisierte Wellnessgetränke, Alkopops mit Fruchtzucker und Sorbit, kalorienreduzierten Lebensmitteln wie Diät-Joghurt, Diät-Pudding, Diät-Quark, kalorienreduzierten Marmeladen und Kaugummi verzichtet werden. Sobald die Beschwerden nachlassen wird im Rahmen einer Ernährungsberatung der Ernährungsplan erweitert und es können wieder einzelne Lebensmittel und Obstsorten probiert werden. Meist werden in der Aufbauphase viele Obstsorten wie z.B. Zitronen, Grapefruits, Mandarinen, Aprikosen, Sauerkirschen, Mirabellen, Erdbeeren Ananas, Kiwi, Stachelbeere, rote Johannisbeere und Feige ausprobiert und sind später wieder verträglich. Adressen von spezialisierten Ernährungsfachkräften findest du bei www.was-wir-essen.de im Beitrag „Ernährungsberatung vor Ort".
Leckerer Ersatz bei Fruchtzucker-Malabsorption:
Wasser gemischt mit Früchte- oder aromatisierten Schwarztee
- Milchshake oder Buttermilch mit Vanille und Banane
- Light-Getränke (Eistee oder Limonaden) mit Süßstoff Acesulfam E 950, Aspartam E 951, Cyclamat E 952, Saccharin E 954
- Süßigkeiten sind in Ausnahmefällen gut verträglich
- Als Süßungsmittel können Traubenzucker, Dextrose, Malz oder Malzsirup, Haushaltszucker (Saccharose) und Süßstoffe wie Acesulfam E 950, Aspartam E 951, Cyclamat E 952, Saccharin E 954 eingesetzt werden.
Obst und Gemüse sind wichtige Lieferanten für Vitamine, Mineral- und Ballaststoffe. Bei einem Verzicht auf Obst muss die Aufnahme dieser Nährstoffe durch den Verzehr anderer Lebensmittel gesichert werden.
Hier einige Tipps, worauf du achten kannst:
Versuche so viel Gemüse wie möglich zu essen: Grundsätzlich werden für Jugendliche zirka 400 bis 500 Gramm Gemüse am Tag empfohlen. Hierzu sollten dann die fehlenden Obstportionen noch hinzugerechnet werden.
- Bereite das Gemüse vitaminschonend zu: Kurz in wenig Wasser dünsten oder dämpfen.
- Manchmal sind fruktosehaltige Lebensmittel besser bekömmlich, wenn sie zu einer Hauptmahlzeit (z. B. als Nachtisch) gegessen werden.
- Kombiniere fruktosehaltige Lebensmittel mit Traubenzucker, zum Beispiel indem du den Erdbeerquark mit Traubenzucker verfeinerst. Der Traubenzucker (Glukose) verbessert die Fruktose-Aufnahme.
Viele hilfreiche Tipps und erste Informationen findest du in den Ernährungsinfos Fruktose-Malabsorption auf was-wir-essen.de.
Gluten – der Kleber, der es in sich hat
Gluten ist ein Getreideeiweiß, welches in Weizen, Dinkel, Grünkern, Roggen, Gerste und Hafer vorkommt. Aufgrund der guten Backeigenschaften wird es auch als Kleber bezeichnet. Bei einer Zöliakie (Sprue) handelt es sich um eine immunologische Erkrankung des Dünndarms. Auf Basis einer genetischen Veranlagung führt der Verzehr von glutenhaltigen Getreidesorten zu einer Entzündung im Dünndarm. Da es für diese Krankheit bisher keine Heilung gibt, muss nach der gesicherten Diagnose durch Antikörpernachweis und einer Dünndarmbiopsie (Gewebeentnahme) eine lebenslange glutenfreie Ernährung eingehalten werden.
Für eine glutenfreie Ernährung gibt es speziell hergestellte Lebensmittel, bei denen statt der glutenhaltigen Getreidesorten glutenfreie Rohstoffe verwendet werden. Glutenfreie Spezialprodukte erkennst du an dem Symbol einer durchgestrichenen Weizenähre oder dem Aufdruck „glutenfrei".)
Als Zölie, so bezeichnen sich die Jugendlichen mit Zöliakie, kannst du mittlerweile auf viele leckere Alternativen zurückgreifen:
- glutenfreie Mehlmischungen für Brote und Kuchen, Kekse
- glutenfreie Nudeln, Pizzateig und Süßigkeiten
Viel Hilfestellung und ein tolles Internetportal bietet die Deutsche Zöliakie Gesellschaft (DZG). Viele Jugendliche tauschen sich hier in Foren aus und sprechen über ihre Erfahrungen. Schau doch mal rein: www.dzg-online.de.
Farbstoffe, Zusatzstoffe und andere Auslöser
Sehr selten kann es vorkommen, dass Stoffe, die dem Lebensmittel zur Konservierung, Färbung oder Aromatisierung dienen, nicht vertragen werden. Meist reagiert dann die Haut mit Juckreiz und Ekzemen. Diese Reaktionen werden als Pseudoallergie bezeichnet. „Pseudo“, weil sie sich nur in der Art der Reaktion von Allergien, nicht aber in den Symptomen unterscheiden. Bei der Pseudoallergie ist das Immunsystem nicht beteiligt. Dementsprechend können auch keine Allergietestungen zur Diagnose eingesetzt werden. Um heraus zu finden, ob bestimmte Zusatzstoffe nicht vertragen werden, können nur Weglassdiäten mit anschließender Provokation (die Zusatzstoffe werden gezielt gegeben) helfen. Auch nutzt es nichts, einzelne Zusatzstoffe zu testen, denn Pseudoallergien sind mengenabhängig. Diese komplizierte Diagnostik muss in speziellen Allergieambulanzen oder Kliniken durchgeführt werden.
Weltweit werden nach Schätzungen zirka 2000 bis 20.000 verschiedene Zusatzstoffe und Hilfsstoffe für die Herstellung von Lebensmitteln eingesetzt. Diese Zusatzstoffe werden mit E-Nummern (in der Europäischen Union einheitlich) bezeichnet. Von der genannten Vielzahl der eingesetzten Stoffe, lösen allerdings nur eine geringe Zahl pseudoallergischen Reaktionen aus.
Die häufigsten Auslöser sind:
- Konservierungsstoffe: Sorbinsäure und ihre Salze E 200-203, Benzoesäure und Benzoate E 210 – 213, Schwefeldioxid und Sulfite E 220 - 228
- Farbstoffe: Tartrazin E 102, Chinolingelb E 104, Azorubin E 122
Aber auch Geschmacksverstärker wie Glutamat können Pseudoallergien auslösen. Glutamat dient als Geschmacksverstärker und wurde früher vor allem asiatischen Speisen zugesetzt. Deshalb wird die pseudoallergische Reaktion nach dem Verzehr von Glutamat auch als „China-Restaurant-Syndrom“ bezeichnet. Heutzutage ist Glutamat in vielen Fertiggerichten zu finden.
Auch Lebensmittel können eine Reaktion auslösen, die einer Allergie sehr ähnlich sind, wenn sie biogene Amine enthalten (z. B. Histamin). Zu solchen Lebensmitteln gehören zum Beispiel Käse und Fisch.
Eine Liste mit allen zugelassenen Zusatzstoffen findest du in der aid-Broschüre Zusatzstoffe in Lebensmitteln - Familie Fischer will's wissen.
Tipps bei einer Pseudoallergie:
Verwende naturbelassene Produkte mit möglichst wenigen oder keinen Zusatzstoffen wie zum Beispiel Naturjoghurt ohne Konservierungsstoffe, selbst hergestellte Marmelade und anstelle von Limonade mit Farbstoffen, selbst gepresste Säfte.
- Schränke den Verzehr von Lebensmitteln mit vielen Zusatzstoffen ein.
- Lass dich nicht durch irreführende Werbesprüche blenden. Sie sagen nichts über die wahre Qualität eines Lebensmittels aus. Wichtig ist, kritisch einzukaufen und die Zutatenliste auf der Verpackung zu überprüfen.
- Versuche viele Gerichte selbst zu kochen, anstatt vorgefertigte Industrieprodukte mit Zusatzstoffen zu verwenden. Salatsaucen, Pudding, Kartoffelpüree oder Quarkspeisen lassen sich leicht selbst herstellen.
- Frag bei unverpackten Lebensmitteln, wie Brot, Käse und Wurst an der Bedienungstheke nach den Inhaltsstoffen oder lass dir eine Zutatenliste zeigen. Nicht nur das Supermarktbrot, sondern auch das vom Bäcker wird häufig mit Fertigmischungen gebacken, die Zusatzstoffe enthalten können.
Noch Fragen zu Allergien?
Viele hilfreiche Tipps und erste Informationen zu deiner Unverträglichkeit findest du auf was-wir-essen.de in der Kategorie Ernährungsinfos bei Krankheiten. Darüber hinaus kannst du individuelle Fragen an die Experten im Forum Lebensmittelallergien stellen.
Hilfreiche Links und Adressen:
- www.aktionsplan-allergien.de
Allergieportal für Verbraucher des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz
- www.allergiepraevention.de
abap – Aktionsbündnis Allergieprävention
- Deutscher Allergie- und Asthmabund e. V. (DAAB), Hindenburgstr. 110, 41061 Mönchengladbach, www.daab.de
- Deutsche Zöliakie Gesellschaft e.V. (DZG), Filderhauptstr. 61, D - 70599 Stuttgart, www.dzg-online.de
Weitere Informationen findest du auch in den folgenden Medien im aid-Shop:
(Heft)
Stressfrei essen - die neue Allergenkennzeichnung
(kostenloser Flyer)
Lebensmittelallergie, Neurodermitis? Was darf mein Kind essen?
(Heft)
(Bilderquellen: aid infodienst, www.pixelio.de)
Autor:
Autorin: Sonja Lämmel, Mönchengladbach; fachliche Beratung: Maria Flothkötter, aid infodienst; Redaktion: Christof Meinhold, Köln (Stand Mai 2008)










